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Die Entwicklung der afrovenezolanischen und indigenen Kulturen in Venezuela. 08.09 2009
14:04
Über die Bedeutung der populären Kultur im venezolanischen geographischen Raum.
Einleitung

In der folgenden schriftlichen Arbeit wird die Entwicklung der populären Kultur Venezuelas in Vergangenheit und Gegenwart abgehandelt, die ihre Wurzeln in der afroamerikanischen Diaspora und in den Einflüssen der indigenen Völker hat.

Beide Einflüsse stehen in direktem Zusammenhang mit der gesamten populären Kultur, die die nationale Identität des venezolanischen Volkes und ihren Lebensmodus prägt und auch starken Einfluss auf die Konstituierung der Venezolanität der hier zu beschreibenden Gesellschaftsgruppen hat.

Globalisierung, neo- und postkoloniale Bedingungen, der neoliberale und kapitalistische Kurs beeinflussen die venezolanische Gesellschaft bis heute. Andererseits ist es der Emanzipationsprozess, eingeleitet durch die bolivarianische Revolution unter der Regierung von Hugo Rafael Chávez Frías seit 1999, der die Frage nach den Wurzeln und der Identität der VenezolanerInnen aufgeworfen hat. Diese steht direkt im Zusammenhang mit den Ereignissen des Jahres 1989, mit den „Caracazo“, in deren Zuge sich das Volk gegen ein Wirtschaftsmodell wie das neoliberale erhoben hat, in dem Sinne, dass auch die Frage nach der Kultur wieder belebt wurde.

Auf Fragen wie, warum die Mehrheit der Bevölkerung an Mechanismen des ethnischen und sozialen Ausschlusses leidet, nach den Wurzeln des sozialen – und kulturellen – Ausschlusses im unterdrückerischen Rassismus von Seiten der herrschende Oligarchie, die das Land für mehr als 40 Jahre regierte, versuchen die heutigen VenezolanerInnen Antworten zu finden, die ein Handeln ermöglichen.

Die gegenwärtige Frage der VenezolanerInnen: „Wer sind wir?“ ist auch eine Frage nach den Wurzeln und der Rolle ihrer Vorfahren in der Geschichte des Landes. Ihr Verlangen nach mehr Wissen über die eigene Kultur und Identität, die bewusst die afroamerikanische Diaspora und die indigenen Völker inkludiert, führt sie zu der Frage nach den Gründen für den Ausschluss, die zum Teil zu beantworten sind mit der Bedeutung des afroamerikanischen und indigenen Widerstandes in der populären Kultur auch nach 513 Jahren.

Der gegenwärtige Bedarf der Bevölkerung nach mehr Information rund um die eigenen kulturellen Manifestationen und Traditionen ist ein Thema, das in Venezuela eine gewichtige Rolle spielt.

Dass diese Manifestationen auch weiter vermittelt werden sollen, auch weil sie das Bewusstsein stärken, kommt u.a. darin zum Ausdruck, dass die staatlichen Medien zu diesem Zweck eingesetzt werden. Die Regierung versteht dies quasi als Aufgabe gegenüber der Bevölkerung.

In der vorliegenden Arbeit werden Fragen wie: „Wie sind die Sklaven nach Venezuela gekommen? Welches sind die historischen Hintergründe ihrer Kultur? Existieren wichtige Daten über die Anzahl der Sklaven, Indigenen und pardos – auch als „mestizos“ bekannt? aufgeworfen. Auch wird die Frage nach dem Entstehen der populären Kultur durch den Marronage, in den Manifestationen innerhalb religiöser Institutionen unter den Sklaven und Indigenen gestellt, nach deren Lebensmodus, nach Wegen der Emanzipation und Formen des Widerstands. Besonders der Beitrag afrikanischer und indigener Gruppen in der venezolanischen Religiosität wird behandelt.

So werden wir ein Stück in der kolonialen Epoche zurückgehen, um schließlich wieder in der Gegenwart anzukommen. Das heutige Venezuela erlebt, wie oben erwähnt, einen emanzipatorischen Prozess, in dem die afroamerikanischen Wurzeln ebenso wie jene der indigenen Völker und die dadurch entstandene populäre Kultur eine gewichtige Rolle spielen. Durch den bolivarianischen revolutionären Prozess gewinnen diese Menschengruppen an Bedeutung, zum ersten Mal werden die Rechte indigener Völker in ihrer Gesamtheit anerkannt, die Menschenrechte der zum Großteil benachteiligten Mehrheit der VenezolanerInnen in den Mittelpunkt gestellt und Manifestationen der afroamerikanischen Diaspora als Teil des kulturellen Reservoirs Venezuelas anerkannt, was auch in der Verfassung zum Ausdruck kommt, die ihre besonderen Rechte festhält.

Vor dem bolivarianischen Prozess litten die erwähnten Menschengruppen am herrschenden kulturellen und sozio-politischen Ausschluss, der auch bedeutete, dass die venezolanische Bevölkerung sich in einer Identitätskrise befand. Amilcar Cabral, ein afrikanischer Führer in den 1960er Jahren, machte auf dieses Phänomen aufmerksam: „Wenn die Völker politisch besiegt werden, leisten sie trotzdem weiter kulturellen Widerstand. Die Identität der besiegten Völker ist alles andere als eine neutrale Identität. Über Indigene und Schwarze zu reden, bringt uns sofort auf den Punkt, Stellung zu beziehen. Da schaut keiner weg. Es ist unmöglich.“ (Mosonyi 1982: 7-8).

Die politische und wirtschaftliche Herrschaft manifestiert sich auch als sozio-kulturelle Herrschaft; trotzdem erhebt sich immer wieder die Stimme der unterdrückten Völker. Ausgehend von ihren Gesellschaftsmodellen – die ständig vom Verschwinden bedroht sind –stellen sie die Gegenwart und die Zukunft in Frage. Jedoch sind sie immer noch da und konfrontieren uns mit der eigenen Identität, die von den Herrschenden geleugnet worden ist.

Die hier vorgelegte Hausarbeit behandelt in summarischer Form einige der wichtigsten Aspekte der Einflüsse der afrikanischen Diaspora und der indigenen Völker in der populären Kultur Venezuelas. Es handelt sich dabei um Einflüsse, die die Jahrhunderte während und nach der Kolonialzeit überlebten, sich wieder im Jahre 1989 manifestierten und weiterhin unsere Gegenwart sowie unser Handeln stark beeinflussen.

Die Bibliographie setzt sich aus Werken aus meiner Privatbibliothek und solchen, die in Wien zum Thema existieren, zusammen. In den Jahren 1993, 1998, 2001 und 2004 sammelte ich bei meinen Reisen nach Venezuela und Kolumbien wichtiges Material und studierte auch wichtige Dokumente, die aus der Kolonialzeit stammen.


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Die Entwicklung der afrovenezolanischen und indigenen Kulturen in Venezuela.
Über die Bedeutung der populären Kultur im venezolanischen geographischen Raum.